Schönhauser Allee 110, D-10439 Berlin, Tel: +49(0)30 4476260,info@fuku-gen.de
| Zazenzeiten | ||
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[Kyosaku]
Kyosaku. Wenn jemand ganz offensichtlich schläft, kann der Kyosaku auch unaufgefordert gegeben werden. Das ist Hilfe. Denn jemand, der richtig schläft, hat den Kyosaku richtig nötig, wird aber nicht darum bitten, weil er den ja auch verschläft. Wenn Sie nicht schlafen, brauchen Sie nichts zu fürchten. Und auch wenn Sie schlafen. Im Gegenteil. Freuen Sie sich, dass Sie gesehen werden und dass Ihnen geholfen wird.
So soll es sein:
Egal, ob man Kyosaku bekommt oder nicht. Die Atmosphäre im Dojo wird frisch und stark durch die Präsenz der Kyosaku-Person und das Geräusch. Es ist wirklich nicht beängstigend, sondern ermutigend. Der Kyosaku gleicht aus. Wenn man müde ist, macht er wach. Wenn man nervös ist, entspannt er. Aber er ist mehr als das. Es ist etwas dabei – Sie wissen es ja – was sich mit Worten nicht ausdrücken lässt. Deshalb nennt man es geradezu „die Hand des Meisters“.
[Kinhin]
Sie können sich Wasser vorstellen, das an einem Blatt herunter läuft und sich an der Spitze in einem Tropfen sammelt, der immer schwerer wird. So lassen Sie Ihr Körpergewicht immer mehr auf das vorne stehende Bein übergehen. Am Ende der Ausatmung machen sie einen halben Schritt nach vorn.
[Zazen]
Der Nachfolger von Dogen war – wie Sie wissen – Meister Ejo. Der Nachfolger von Ejo war Meister Tettsu Gikai. Tettsu Gikai war ebenso ein Schüler von Dogen, welcher bereits zu Lebzeiten in Erwägung gezogen hatte, ihn sofort zum Nachfolger zu machen. Denn Ejo war nicht jung. Er war älter als Dogen. Aber – viele von Ihnen kennen die berühmte Geschichte – er sagte: „Tettsu Gikai kann doch mein Nachfolger nicht werden. Ihm fehlt der sanfte Geist einer Oma: Robaishin. Er hat keinen Robaishin.“ Dieses Gespräch hörte Tettsu Gikai unvorhergesehener Weise. Robaishin, den „Geist einer Oma haben“, war kein selbstverständliches Kriterium für einen Meister in der Nachfolge Dogens. Heute, besonders bei uns, wo Meister Deshimaru den Aspekt des Mitgefühls – im Zen, das er uns weitergegeben hatte – besonders entwickelte, haben wir zu Robaishin leichter Zugang. Aber nach Ejo wurde Tettsu Gikai schließlich doch Nachfolger. Und nach ihm kam Keizan. Keizan Shokin. Keizan war der Sohn einer vornehmen Prinzessin. Die sagte zu ihm sinngemäß: „Keizan, mein Lieber, wenn du Mönch wirst, dann sei bitte normal, geh zu Fuß und lass dich nicht in einer Sänfte tragen.“ Keizan verbreitete das Sôto-Zen ins Volk. Er hatte sehr viele gute Schüler. Er hatte sehr viele Nachfolger. Sehr ähnlich wie Meister Deshimaru. Ich habe seinen Tempel besucht. Sojiji, den von ihm gegründeten Tempel, der heute noch existiert. Und man merkt immer noch den großzügigen Geist von Meister Keizan. Es ist sehr beeindruckend und sehr angenehm. Keisan lebte von 1268 bis 1325. Sein Verhältnis zu Dogen war wie Ihres zu Meister Deshimaru. Er hat ihn persönlich zwar nicht kennen gelernt, aber er kannte noch seine direkten Schüler. Die Mönchsordination hatte er von Meister Ejo mit dreizehn Jahren. Er schreibt:
„Empfehlungen für die, die Zazen
praktizieren.
Zazen ermöglicht den Geist direkt zu erwecken und sich friedlich an seinem wahren Platz zu halten. Das nennt man, sein ursprüngliches Gesicht zu zeigen. Oder, die Aspekte seines ursprünglichen Zustandes herausbringen. Körper und Geist loslassen. Ohne Anhaftung. Man sitzt oder liegt. Man denkt weder an das Gute, noch an das Schlechte. Man kann das Profane und das Heilige transzendieren. Jenseits gehen von jeder Konzeption von Illusion und von Erweckung. Seinen Geist mit Ideen von Grenzen zwischen Buddha und fühlenden Wesen dahingestellt sein lassen, indem Sie so jeder Sorge ein Ende setzen. Jede Anhaftung zurückweisen, gar nichts tun. Die sechs Sinne in Ruhe. Welcher ist derjenige…“ [Geräusch einer Dampfpfeife]
Jetzt kommt ein Koan, ebenso wie dieses Geräusch. Wenn sie nicht über die U-Bahntrasse fährt, weiß ich wirklich nicht, was eine Dampflokomotive auf der Schönhauser Allee zu suchen hat. [Lachen][*]
„Welcher ist derjenige, dessen Name niemals
gekannt wurde und der nicht eingeschätzt werden kann. Weder der Körper noch der
Geist? Wenn Sie versuchen daran zu denken, verschwinden die Gedanken. Wenn Sie
versuchen davon mit Worten zu sprechen, dann nehmen die Worte ein Ende. Er ist
wie ein Irrer, oder wie ein Doofer.
Er ist wie der hohe Berg, von dem man den
Gipfel nicht sehen kann. Oder wie ein tiefes Meer, von dem man den Grund nicht
erreichen kann.
Brillant, ohne zu denken.“
Dieser Satz enthält ein Wortspiel, das man im Deutschen nicht retten kann. Brillant, ohne zu denken. Und gleichzeitig schimmernd ohne zu denken. Glänzend, ist die Quelle klar und gibt eine schweigende Erklärung. Jetzt taucht derjenige/diejenige, die Zazen übt direkt in den Ozean der Erweckung. Und manifestiert auf diese Weise den Körper aller Buddhas. Der ursprüngliche Geist, unglaublich klar, ist plötzlich hervorgebracht und das ursprüngliche Licht scheint schließlich überall. Es gibt weder Zunahme noch Abnahme im Ozean. So sind die Buddhas nur in dieser Welt erschienen, mit dem einzigen Ziel allen Wesen zu ermöglichen die Erweckung zu verwirklichen. Das vollkommen Friedliche: das Samadhi – König aller Konzentrationen. Fortsetzung nächsten Sonnabend. Der Ozean nimmt weder zu noch ab und die Wellen rollen immer nach vorn. Das ist ein Schlüsselsatz von Keizans Lehre, der besagt:
„Die Erleuchtung ist wie in der Mittagssonne eine Lampe anzuzünden.“
Da fällt gar nichts auf. Die Erleuchtung fügt nichts hinzu. Unserem Leben nicht und dem ganzen Kosmos nicht. Diese Erleuchtung ist weitergegeben von allen Buddhas zu denen wir auch gehören durch Zazen. Man könnte sagen, Zazen ist das Gefäß, das die Erleuchtung enthält. Aber man muss dazu sagen, dass das nur ein sehr provisorischer Ausdruck ist, wie es durch Worte nicht besser möglich ist. Zazen führt nicht zur Erleuchtung. Zazen ist die Erleuchtung. Sie werden ja sehen.
[Nach dem Zazen reden die Schüler noch angeregt über das Lokomotivengeräusch.]
Notiert von Marlon
[*] In Berlin wurde am Vorabend der neue Hauptbahnhof eingeweiht. Vielleicht durfte eine schöne alte Lok für einen Tag aus dem Technikmuseum kommen. Aber in der Nähe des Dojos sind keine Gleise.