Kusen
25. Januar 2006, Morgenzazen
Fortsetzung, 13. Kapitel, "Das Buch vom Kesa": Glauben an die Essenz
des Meisters
Meister Deshimaru schreibt:
"In erster Linie ist das Kesa ein Symbol der Einfachheit, des wahren
Weges, der authentischen Wahrheit.
Es ist das ewige Leben, das unendliche Licht, das wahre Symbol der
universellen Liebe."
Er schreibt
"Christus glaubte an Gott, der die authentische Wahrheit
bedeutet, den wahren Weg.
Sein Jünger Paulus glaubte an Christus.
Auf die gleiche Weise bezogen sich die Schüler von Dogen immer auf
Dogen und ich mich auf Kodo Sawaki...
Alle diese Patriarchen haben dieselbe Quelle, Buddha oder Gott, an
diese muß man glauben."
Glauben an das, was das Buddha sein, das Gott sein, ausmacht. Was ist
es?
Was ist es? Sie müssen innerlich in vertrauten Kontakt damit kommen
und realisieren, was es ist. Es lässt sich unmöglich in Worte fassen.
Meister Deshimaru sprach verhältnismäßig viel von Gott.
Er hatte in Japan mehrere Jahre Unterweisung ins Christentum erhalten,
bei einem protestantischen Geistlichen, einem Babtisten.
Babtisten sind sehr auf das Gemeindeleben konzentriert, also auf den
Aspekt Sangha, wenn Sie so wollen und praktizieren in besonderem Maße
Gleichheit und Mitgefühl; sie trinken nicht und fluchen nicht, aber
singen und tanzen sehr viel und feiern fromme Feste, mit Betonung auf
Feste. Ihr Glauben ist sehr rein.
(Sollten Sie je Gelegenheit haben, ein Baptistenfest zu besuchen,
gehen Sie hin - in Sonntagskleidern! Es ist sehr animierend und
beeindruckend, eine ausgelassene Feier des Glaubens. Vielleicht liegt
hier eine der Wurzeln der berühmten Feste im Zen-Tempel La
Gendronnière. Das ist nicht das Thema dieses Kusen, aber wie dem auch
sei, es hat zu tun mit Freude an der Praxis.)
Wie viele Asiaten, berichtet auch Meister Deshimaru, dass er von der
christlichen Nächstenliebe sehr angetan war. Aber er vermisste
schließlich die Praxis mit dem Körper.
"Gedanken der Nächstenliebe", sagte er, "werden am Ende nur wie
Poesie;, sie erfreuen den Geist solange sie dauern, aber ohne Praxis
mit dem Körper, werden sie uns nicht zur zweiten Natur, wachsen sie
uns nicht an, werden sie nicht zur Lebenshaltung."
Zazen hingegen beeinflusst den Körper, beeinflusst den Geist durch den
Körper, auch die Guen-Mai und Sanpai beeinflussen. Das Kesa zu tragen
ist ein sehr großer Einfluß des Körpers. Nicht nur, sonst würde es
Gymnastik. Es ist ein Element von Glauben dabei, von Vertrauen. Im Zen
muß man nicht blind vertrauen, man kann alles erfahren. Wenn man das
Zazen-Experiment soundsooft wiederholt hat und immer wieder zum selben
Ergebnis gekommen ist...
Meister Deshimaru unterwies die Lehre Buddhas, wie er sie von seinem
Meister empfangen hatte.
Heutzutage spricht man von "Deshimaru-Zen", "Dogen-Zen"... einer, wie
der andere hätte sich dagegen entschieden verwahrt! Aber es gibt
gewisse Akzente.
In seinen Kommentaren zu Kannon, der buddhistischen, allegorischen
Göttin des Mitgefühls, von der eine Schriftrolle des Lotussutra
handelt, merken wir seinen Kontakt mit der christlichen Nächstenliebe.
Sie sind sehr tief und sehr schön, "stell dich auf den Stanpunkt des
Mitgefühls, ändere Deinen Geist, und die schwierigsten Umstände
verwandeln sich." Das kann jeder sofort ausprobieren.
Aber "Standpunkt" ist nicht nur geistig zu verstehen, durch Zazen wird
es uns zum natürlichen Zustand. "Den Geist ändern - das kann man
einerseits sofort, jetzt. Aber ein innerer Umbau dauert auch. Deshalb
fahren Sie fort mit Ihrer Praxis! Mushotoku.
Da Kannon sehr oft in Verkleidung auftritt, geben ihre Parabeln und
Legenden den Stoff für zahlreiche Erzählungen und Theaterstücke.