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Kusen
24. Januar 2006, Morgenzazen
Fortsetzung, 13. Kapitel, "Das Buch vom Kesa": Glauben an die Essenz des Meisters

Gestern hatte ich nicht recht Zeit, das Kusen gut vorzubereiten. Um aus der Not eine Tugend zu machen, will ich Ihnen das ganze 13. Kapitel vorlesen. Nur Meister Deshimaru spricht; außer einem Zitat, dass vielleicht von Buddha persönlich ist.

Das dreizehnte Kapitel halte ich für eins der wichtigsten im ganzen Kesabuch, das mag nun auch daran liegen, dass es von Dingen handelt, auf die ich in der Praxis einen besonderen Akzent legen würde.

Das Kapitel ist etwas über eine Seite lang und enthält mehrere, sehr verschiedene Themen, einige kennen Sie schon:

Meister Deshimaru schreibt:

"Ursprünglich war die Anlage der Stadt Kyoto ähnlich wie der Zuschnitt des Kesa.

Es gibt auch Kesa mit 11, 13 Streifen (gewöhnliche Kesa), dann mit 15, 17, 19 Streifen (Kesa mittlerer Kategorie), dann mit 21, 23, 25 Streifen (Kesa von Meistern).

Aber in erster Linie ist das Kesa ein Symbol der Einfachheit, des wahren Weges, der authentischen Wahrheit.

Es ist das ewige Leben, das unendliche Licht, das wahre Symbol der universellen Liebe.

Christus glaubte an Gott, der die authentische Wahrheit bedeutet, den wahren Weg.

Sein Jünger Paulus glaubte an Christus.

Auf die gleiche Weise bezogen sich die Schüler von Dogen immer auf Dogen und ich mich auf Kodo Sawaki..."

Alle diese Patriarchen haben dieselbe Quelle, Buddha oder Gott, an diese muß man glauben. Aber Buddha, was glaubte er?

Die Sutras berichten:

"Ich bin weder vollkommen, noch vollständig. Es ist nicht möglich, vollkommen zu sein. Der Schüler muß an die Essenz, an das Wesen des Meisters glauben, an das, was er sucht."

Als Buddha Shakyamuni das Shiho an Mahakashyapa gab, bat er ihn, an das Kesa zu glauben. Man muß sterben, aber die Unterweisung überträgt sich. Das Kesa existiert, es ist nicht wie eine Buddhastatue. Niemals hat Buddha Shakyamuni gebeten, seine Statue zu respektieren.

Aber ihr macht Sampai vor dieser Statue, raihai, das hat eine tiefe Bedeutung.

In Wirklichkeit werfe ich mich bei der Zeremonie nicht für diese Statue nieder, sondern ich mache Sampai für alle lebenden Buddhas, die in diesem Dojo sind und gerade Zazen beendet haben. Wenn alle zusammen raihai machen, Schüler und Meister, harmonisieren sich unser eigenes Ego und das der anderen und werden Einheit.

Das Kesa selbst ist nicht materiell. Es ist das Symbol des Lebens, der kosmischen Wahrheit. Aber jeder ist anders, das Gehirn von jedem ist verschieden. Ich glaube, dass die Wahrheit, die ihr sucht, nicht für jede Person identisch ist.

Der wahre Meister, die wirkliche Unterweisung, ist notwendig.

Wenn Ihr meine Schüler werdet, müsst ihr die Erweckung verstehen, die durch die Sprache nicht ausgedrückt werden kann.

Es handelt sich nicht nur darum, den Weg zu verstehen, sondern ihn zu verwirklichen, zu praktizieren; den Weg im täglichen Leben zu praktizieren.

Heutzutage praktiziert man oft nur mit dem Mund!

Ihr müsst nach der wahren Unterweisung handeln, die mit der Sprache nicht ausgedrückt werden kann. So ist die Erweckung. Das Unsichtbare praktizieren, das mit Worten unmöglich zu erklären ist. Das ist Zazen, die Bedeutung des Kesa. Durch Zazen, durch das Kesa.

Kommentar morgen und nächste Woche. Von Donnerstag bis Sonntag bin ich nicht da, weil ich das Sesshin bei Bad Tölz mache, das Lichtmeßsesshin.

Nicht alle von Ihnen werden wissen, was "Lichtmeß" ist, es ist ein katholischer Feiertag, sicherlich noch älteren Ursprungs, immer Anfang Februar. Dann ist die Wintersonnenwende, die längste, dunkelste Nacht des Jahres, etwa sechs Wochen her, und man kann die allmähliche Zunahme des Lichts bereits wieder spüren.

Zu Lichtmeß stellt traditionellerweise der Bauer den Knecht wieder ein und "es geht wieder los". Wenn Sie möchten, können Sie umsonst hinfahren, mit dem Mönch Jörg, der als Behinderter gratis eine Begleitperson mitnehmen darf. Melden Sie sich bei ihm oder einem anderen alten Schüler, der bescheid weiß, spätestens bis Mittwoch.

Die Landschaft um das Dojo von Königsdorf ist unwirklich schön, Sie können im Internet die Bilder vom vorigen Jahr ansehen.

Auf Wunsch wiederhole ich die letzten Sätze von Sonntag zum 13. Kapitel des Buchs vom Kesa:

Jetzt können Sie sich besser vorstellen, weshalb Meister Deshimaru sagt: "Es ist das ewige Leben, das unendliche Licht, das wahre Symbol der universellen Liebe."

Die universelle Liebe ist eine allumfassende Liebe, mehr ein Bewusstseinszustand, als ein Gefühl, sie ist leidenschaftslos, selbstverständlich, wie ein stilles, gleichmäßiges Licht. Das "Licht der schweigenden Erleuchtung", wie Wanshi sagt, der immerwährenden, alltäglichen Praxis, des normalen Zustands.

Dazu ist noch viel zu sagen.

Es ist Buddhas Mitgefühl, das sich fortgesetzt hat bis zu uns.