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Zazenzeiten
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Di 7.3019.30
Mi 7.30
Do 7.30 20.30
Fr 7.3019.30
Sa 18.00
So 11.00
Kusen
Kusen von Anna Seisen Wassermeyer, gehalten am 19.11.2005 zum Abendzazen.
1. Teil Wenn man in Japan in einen Zentempel kommt, dann wundert einen erst gar nichts. Die Tempel wirken, als wären sie beleuchtet mit Kerzen und Fackeln, und es sieht sehr gut aus. Es dauert ein bisschen, bis man realisiert: das kann nicht sein, es muss doch wohl elektrisch sein. Wie beleuchtet man ein Dojo? Das ist ein wirkliches Koan, da kann man sich jahrelang daran abarbeiten. Im Zusammenhang mit dem Tageslicht, das sich den Jahreszeiten nach ändert, im Zusammenhang mit den Räumen muss man es im Laufe der Zeit aus der Erfahrung und der Tiefe der Praxis entwickeln. Das Kriterium ist: was hilft Zazen? Helles Licht betont den Aspekt, dass wir alle zusammen sind. Dunkles Licht betont den Aspekt, dass wir dennoch, innerhalb von allen, jeder/jede allein sind. Persönlich bevorzuge ich helles Licht, aber besser gutes dunkles Licht, als schlechtes helles. Gutes dunkles Licht, das dennoch keine trübe Brühe ist, lässt sich leichter einrichten. Wenn Sie mit Zazen fortfahren, werden Sie als Nebeneffekt auch über Licht, Wahrnehmung und Beleuchtung ganz viel lernen und sich sensibilisieren. Aber die "Erleuchtung", wer auf dem Vortrag war, weiß es, das ist, wie unter der Mittagssonne eine Lampe anzünden, da fällt gar nichts auf. Vergessen Sie nicht, zu atmen. Strecken Sie gut die Wirbelsäule. Wenn Sie merken, dass Sie denken oder schlafen, dann kehren Sie zur Konzentration auf Haltung und Atmung zurück. Kyosaku. Sie sind in der Einführung unterwiesen worden, was Kyosaku ist, falls nicht: es tut nicht weh und man bekommt es nur, wenn man es haben möchte. Der Kyosaku-Mann ist nicht in erster Linie da, um Kyosaku-Schläge zu verabreichen, sondern er korrigiert die Haltungen. So man korrigiert wird: Es ist keine Maßregelung, sondern eine Hilfe. Korrekturen im Zen sind oft ein bisschen grob, das ist, damit man mit dem Körper versteht bevor der Geist sich einschaltet. Eine kräftige Korrektur - Zack - schon hat der Körper verstanden, bevor der Geist nachkommt. Das ist besser so. Sie sollen nicht im Kopf verstehen, es geht nicht darum. Leute, die Ballett machen, wissen das auch. Chukai. Kinhin. Kinhin ist Meditation im Gehen. Es ist am Anfang beschwerlich, weil man sich so viele Sachen auf einmal merken muss. Wenn Sie etwas vergessen, das ist nicht so schlimm. Drücken Sie gut den Boden mit der Wurzel der großen Zehe des vornstehenden Fußes, und gleichzeitig stoßen Sie mit dem höchsten Punkt des Schädels gegen den Himmel, so dass man die Wirbelsäule quasi auseinanderzieht, zunehmend stärker im Zuge der Ausatmung. Das ist für den Rücken sehr gut, wie man sicherlich ohne Weiteres nachvollziehen kann. Am Ende der Ausatmung lassen Sie alle Anspannung los, machen einen Schritt nach vorn, gleichzeitig drücken Sie mit der Daumenwurzel zunehmend gegen das Sonnengeflecht. Bei uns Westeuropäern ist das Sonnengeflecht meistens verspannt. Ende des Kinhin, Gongschläge, Zazen, Stille. Stille. Später: Wenn Sie aufhören möchten, auf Ihrem Ein-Mann-Privat-Planeten durchs All zu sausen und durchlässig sein möchten zu den andern, zum Kosmos, zu sich selber, dann hören Sie auf zu schlafen und zu grübeln, denn das schließt beides ab. Man nimmt den gegenwärtigen Moment nicht wahr, sondern verschläft ihn oder ist geistig abwesend, geistig woanders, z.B. in der Vergangenheit, oder in der Zukunft. Das wirkliche Leben, unser Leben, ist aber jetzt! Das kann jeder ohne weiteres verstehen. Unsere Erziehung kommt dem nicht entgegen. Aber wir können es üben, wir können wach sein, disponibel sein, aufnahmefähig sein, durchlässig. Üben. Dann wird es besser. Indem wir es nach bestem Vermögen einfach praktizieren. Dann gelingt es einen Tag mal mehr, einen mal weniger. Vergessen Sie alle Vorstellungen von Durchlässig-Werden, von die Erweckung verwirklichen, praktizieren Sie einfach die Ausatmung und einen schönen geraden Rücken. Mushotoku bedeutet: Nicht-Profit, Nicht-Wunsch sich etwas anzueignen. Denn mu bedeutet eine Verneinung, "nicht", und shotoku ist Profit. Eins der wichtigsten Prinzipien von Meister Dogen ist, dass man weder wünschen soll, sich etwas anzueignen, noch etwas geben, mit der Idee, etwas zurückzubekommen. Mushotoku ist das wesentliche Prinzip. Es ist konkretisiert in Shikantaza, die Kunst, sich hinzusetzen ohne Ziel, in der Haltung des Buddha. Wenn der Mensch handelt oder etwas gibt, will er etwas wiederhaben, aber Zen ist die Philosophie der Gratiskeit, Gratisphilosophie. In Zazen muss der Schüler versuchen, das höchste von sich zu erreichen mit vollkommenem Desinteresse. Wenn der Wunsch nach einem Ziel da ist, dann wird das Ziel verpasst, das Reine wird unrein. Ebenso in allen Kunstwerken, jeder Schöpfung, der Künstler muss sich ganz geben, ohne sich damit zu befassen, Ruhm zu erwerben, Schönheit, Bezahlung und ohne sich Moden zu unterwerfen. Er muss sich nach seinem besten Vermögen ausdrücken, ohne Kompromiss. So kann das Werk schön werden, rein, menschlich, schreibt Meister Deshimaru. Und er fährt fort: "In der Suche nach der Weisheit ist es das gleiche. Der Schüler soll Weisheit oder Glück nicht begehren. Aber er wird die Weisheit erhalten, wenn er Tag für Tag darauf achtet, sich selbst zu kennen, sich zu überschreiten, sich zu geben, ohne persönlichen Profit zu erwarten. Und wenn er die Gratisheit seiner Handlungen verwirklichen kann, dann kommt das Glück im Übermaß. Alle Anhaftung, welches auch immer ihre Natur sei, entfernt von der menschlichen Freiheit." Fortsetzung nächsten Samstag. Kaijoe. Nach dem Gong drehen Sie sich um und wir machen Mondo, ein kurzes Mondo. Normalerweise legt der Kyosaku-Mann hier einen kleinen Futon hin, und man kommt nach vorn, aber wenn Sie Fragen haben, können Sie sie heute von Ihrem Platz aus stellen. Hat jemand eine Frage? Frage: Es ist ja oft von dem Weg die Rede, und hat der Weg denn nur unbedingt etwas mit Zazen zu tun? Nein, er hat nicht, es gibt andere Möglichkeiten. Also, z.B. heißt es, ich weiß nicht, ob das historisch richtig ist, dass in China, in Gegenden, wo es sehr sumpfig war und Zazen nicht sehr praktisch, ich glaube weniger, weil man dann gleich in den Sumpf sank, sondern wegen der Insekten, (Leute lachen), deshalb hat man Tai Chi entwickelt. Also, jedenfalls gibt es andere Praktiken als Zazen, ich weiß nicht, ob das der Sinn der Frage war? Nachfrage: Was ist das denn genau, der Weg? Der Weg ist, dass man eine Praxis hat. Also, man kann das Dharma Buddhas nur mit Denken nicht wirklich realisieren, aber es gibt andere wirksame Praktiken als Zazen, man muss nur irgendetwas tatsächlich tun, und mit Zazen, wir haben hier schon ein gutes Dojo, hat man da eine gute Möglichkeit. Man braucht irgendwie einen Lehrer, der an die Transmission angeschlossen ist. Der Weg ist, dass man sich erweckt. Nachfrage: Kann das sein, dass das manchmal auch von Zazen wegführt? ... Dass das Leben so einem spielt auf dem Weg, dass man plötzlich weniger Zeit für die Praxis bleibt und dass es trotzdem noch die Praxis ist? Da muß man aufpassen. Es gibt heutzutage Schulen, weil die Leute, die meisten Leute, nicht gerne praktizieren, und auch immer weniger Zeit haben, die also den Leuten erzählen, es ginge ohne Zazen. Es geht mit wenig Zazen, es geht mal 2,3 Jahre, ich weiss nicht, wenn man hintereinander Kinder kriegt, mit wenig und sehr wenig Zazen, aber es geht auf die Dauer nicht ohne. Also es gibt diese buddhistische Praxis, die Amida-Schule, wo man nur Buddhas Namen anruft, Gassho macht und Sampai, Räucherstäbchen anmacht, und sich nur auf Buddhas Gnade verlässt und ihn anruft. Das ist also eine sehr geniale Schule für Leute mit Verpflichtungen und Umständen, wo man nicht Zazen praktizieren kann, aber das ist auch eine Praxis, also eine sehr "heruntergefahrene", minimalistische, aber man muß es auch tatsächlich tun. Nun kann man jederzeit Buddha anrufen, das benötigt Sekundenbruchteile, das kann man ohne weiteres 100 Mal am Tag machen, und das tun die Amidisten auch, die machen das nicht nur einmal, also man kann auch unter erhöhtem Schwierigkeitsgrad den Kontakt mit Buddha praktizieren. Man kann unter Umständen nicht jeden Tag ins Dojo kommen, aber ich habe also...ich erzähle Ihnen ein paar extreme Fälle: also unter den Zen-Schülern in Österreich ist S., der hat sieben Kinder, und er kann Zazen praktizieren, sieben! Es geht. Und im Dojo -, hier ins Berliner Dojo kam immer M., bis sie in eine andere Stadt gezogen ist. Sie war Präsidentin der Humboldt-Uni, die einen Kalender hatte, wie ein Minister, und sie konnte im Großen und Ganzen einmal die Woche ins Dojo kommen, also das ist machbar. Und ich denke, man sollte der Praxis ein bisschen Platz lassen. Also man kann mit Weisheit und Hilfe von anderen sie ziemlich herunterfahren, wenn man muss. Aber meine Empfehlung ist, mindestens zwei Mal im Monat ins Dojo zu kommen, weniger ist dann wirklich schwierig. Es geht nicht ohne Praxis, ich halte das für ein Gerücht. Wenn man ganz wenig Zeit hat und sehr viel Druck und sehr viele Verpflichtungen, dann muss man überlegen, wie man eine knappe Praxis gestaltet, aber ohne, ohne kann man ein gutes, menschenfreundliches, angeschlossenes Leben sicherlich führen, und das ist ja vielleicht auch gut genug. Aber die Erweckung Buddhas verwirklichen, geht nicht ganz ohne Praxis. D'accord? Andere Frage? Vielleicht zu Haltung und Atmung? Frage: Wie konzentriert man sich auf die Ausatmung? Sich auf die Ausatmung konzentrieren, das heißt, dass man die Ausatmung wahrnimmt. Also dass man die Ausatmung nicht vergisst - das ist eine sehr gute Frage! Es heißt nicht - manchmal kann man ja gut etwas erklären, indem man sagt, was es nicht heißt- es heißt nicht: die Atmung forcieren und drücken, sondern es heißt: die Ausatmung wahrnehmen. Und mit dem Geist bei der Ausatmung bleiben. Wenn die jetzt am Anfang nicht ganz bis in den Bauch herunterrollt, sondern nur so bis auf halbe Höhe geht, das macht nichts, die vertieft sich von selbst. Der Körper freut sich über eine tiefe Atmung und kommt dem entgegen, also das ist nicht schwer zu erreichen, eine tiefe Ausatmung. Es heißt wirklich weiter nichts, als die Atmung einigermaßen gleichmäßig, sanft, herausfließen zu lassen und zwar möglichst alles; gewohnheitsmäßig lassen wir einen Teil verbrauchte Luft in den Lungen und atmen nicht alles aus. Sanft, gleichmäßig, möglichst alles ausatmen und dann wieder einatmen. Nachfrage: ... Also, nachhelfen kann man und sollte man insofern, wenn man merkt - wenn man zwar die Atmung herauslaufen lässt ohne viel zu tun und man merkt, sie geht nicht gerade raus, sondern bleibt irgendwo hängen. Dann sollte man seine Körperhaltung so verändern, so entwickeln, dass der Atem frei fließt. Das ist, was man tun kann und tun sollte und ansonsten genügt es, möglichst mit geradem Rücken, halbwegs entspannten Schultern dazusitzen und die Atmung herauskommen zu lassen, bis die Lungen leer sind, und dann braucht man an die Einatmung nicht zu denken, die kommt bestimmt von selber, und dann atmet man wieder aus. Und die Vertiefung passiert von selber, das kann ich garantieren, ok? Frage nach dem Blick, den Augen. Halbgeschlossen. Man legt den Blick, ohne etwas zu fixieren, ruhig auf den Boden, in einem Winkel von etwa 45 Grad; je nach Körpergröße kommt der dann so etwa 80 cm vor einem auf die Erde; bei Großen ist es eher ein Meter. Also man fixiert nichts, das ist wichtig, und der Blick ruht ruhig auf der Erde. Am Anfang haben manche Leute, -also ich kann das nur erzählen, ich persönlich hatte das nie-, solche Erscheinungen, dass sie nach dem Zazen noch so-und-so-viele Minuten nicht fokussieren können und noch irgendwie 10 Minuten etwas verschwommen sehen. Aber das geht weg, das ist nur am Anfang. Also man lässt den Blick einfach ohne was zu fixieren auf dem Boden ruhen. Es gibt nicht geradezu jeden Samstag Mondo, aber es gibt es öfter, also Sie haben dann noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Kusen vom 19.11.2005, 18.00, Boris.