Kusen
Abendzazen, 16.07.2005
Ergänzungen der Mitschrift in [ ] Klammern
Lücken sind mit ... gekennzeichnet
Neigen Sie gut das Becken nach vorn.
... [Konzentrieren Sie sich] auf die Ausatmung, die möglichst [tief geht].
... Wenn Sie öfters [ins Dojo kommen], vertieft sich die Atmung von selber,
und das geht schnell.
Zwei bis drei Finger breit unterhalb des Nabels ... [befindet
sich] das Hara des Ki: der Ozean der Energie. Das wird angesehen als
das Zentrum unseres Lebens.
Also: möglichst lassen Sie [die Ausatmung fliessen] bis zum Hara.
Strecken Sie gut den Nacken und ziehen Sie das Kinn zurück.
Dann wird der Geist... disponibel [für die Dinge, so wie
sie sind] ... [und man kann] Vorstellungen, Gewohnheiten, Gerinnungen
sehr gut vorbeiziehen lassen.
Kyosaku.
Chukai.
Kinhin.
[Kinhinende]
Eine Zen-Schülerin, ... eine kreative, nette, junge Frau,
Künstlerin, die im Dojo schon viel ... [geholfen hat, hat] mich
gefragt, ob... man ein besserer [Zen-Schüler wird, wenn man] sich zum
Bodhisattva ordinieren lässt.
...[Ich habe sie gefragt, ob ich die Frage öffentlich beantworten kann und
sie war einverstanden.
Wenn ich eine] ... kurze Antwort geben soll, [so lautet die:] ja.
Andererseits gibt es in der Geschichte... sehr große Persönlichkeiten,
[die Laien waren]...
[Einer der] bedeutendsten Texte... [stammt von ?, der
praktizierte] ohne Ordination. ... Man muss nicht ordiniert sein,
aber es hilft:
Man möchte ins Schwimmbad [gehen, aber] im Regal [liegt
das Rakusu], man geht ins Dojo. Im Dojo ereignet sich etwas, man notiert
beispielsweise das Kusen. Zuhause schreibt man es ab, [jemand fragt,
was man da macht,] man erklärt [es, und diese Situation ist von Zazen
beeinflusst.
Man könnte das jetzt immer weiter spinnen.] Die
Ordination ist für Sie, die hilft Ihnen zu praktizieren. Meistens hat
man [das Gefühl, dass die Ordination an der Zeit ist. Und] man
spürt, dass die Praxis das Geheimnis des Zen, die Praxis des Zazen
ist.
Wenn Sie in Ihrem [Leben eine Zeitlang Zazen machen, dann] ist das
sehr gut. [Wenn Sie Ihr] ganzes Leben Zazen machen, [ist das] sehr
gut, aber auch eine Zeitlang [ist gut, ... auch für] alle Lebewesen
in Ihrer Umgebung.
Als weitere Folge ... helfen Sie dem Dojo. Es ist
auch ein Schritt in eine Schule, aber er ist nicht bindend, er ist
mehr für Sie.
Dazu ist noch sehr viel zu sagen, ich werde ihr
schriftlich antworten.
Auf alle Fälle hat Buddha..., der historische Buddha, ... .
Bodhisattva ist keine historische Person. Ein
Bodhisattva ist jemand, der den ganzen Kreislauf hinter sich
hat... [der es sich jedoch nicht im Nirvana bequem gemacht hat
sondern
versucht] den anderen zu helfen, der seinen erweckten Geist
[mitteilt].
[Diejenigen die ihn] übertragen auf [den Alltag] ..., die
in ihrer Familie ... auch ernsthaft praktizierende Zenschüler sind
und das beides verbinden. So teilen sie ihren erweckten Geist ... und
deshalb heisst das Bodhisattva.
Darüber [könnte man] Jahre Kusen machen, das [ist genug] für ein
ganzes Godo-[Leben... alle Kusen über den Bodhisattva-Gedanken, aber
ich sage mal so viel und so wenig.
Meister Paichang, japanisch Hyakujo, war der sehr große Meister, den
ich liebe, der entdeckt hat, dass die Praxis implodiert, gerinnt und
verdirbt, wenn man nur praktiziert. Und er hat die Arbeit in die
Praxis integriert. Das wollte [damals keiner, ... da es] undenkbar
war, dass ein Mönch [arbeitet] ... es umfasst das, aber es ist nicht
nur eine Frage des Mitgefühls. Als der Vogel, der wir sind, der sich
frei in seinem ... die zwei Flügel, die unsere Praxis hat, wenn Sie
so wollen...
Er sagt, Meister Paichang sagt:
Was ist die richtige [Art der Wahrnehmung? Das ist wahrzunehmen, dass es]
nichts wahrzunehmen gibt.
D.h.: alle Arten [von Wahrnehmung]..., Anziehung oder
Zurückweisung... [sind letztlich nicht. Damit kann man] das Auge des
Buddha erreichen.
...[Wir neigen dazu,] sie zu sehen, als ob sie eine
objektive Existenz hätten.
Jetzt folgt natürlich das berühmte [Beispiel]...:
dies ist unbedingt eine Tür, aber da kommt ein Tischler
und sagt: ... Kalkeiche, mein Lieblingsmaterial.
Ein Holzwurm kommt [und sagt:] wie schön, da steht das Abendessen.
Die Formen sind vorübergehend. ... Tür gefressen... - ein bisschen Holzmehl.
Paichang beschreibt das Auge einer gewöhnlichen Person. Das gewöhnliche Auge
... [sieht] als das, und das ist das gleiche für alle Anderen. ... das
gewöhnliche Gedächtnis schließt ein, ... [als ob die Wahrnehmung] eine
Existenz in sich hätte, also erscheinen alle [Dinge
real,]... Anziehung und Zurückweisung... entwickelt sich, das ist der
gewöhnliche Geist. ...[wir versuchen] zu fliehen,... ein permanenter
Kampf..., [der] müde und gestresst [macht],... [so ist] das
gewöhnliche Auge.
Die Zazenpraxis und die Lehre des Buddha laden uns
ein, ein zweites Auge [zu entwickeln, um]... in die Tiefe zu sehen,
dass Objekte ... keine Substanz [haben und] ... sich ständig
wandeln.
Blüten öffnen sich... und welken... von einem Augenblick zum
anderen... [als hätten sie] gar nicht existiert. Die Lehre des Buddha
... aber bringt [uns näher] an ihre tiefe Natur, sie vom Standpunkt
von [der Leerheit zu sehen]... . Nichts existiert, ausser im
Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeiten.
Im Zazen [beobachtet man die Gedanken], dass sie nicht [wirklich
sind]... [Man versucht nicht krampfhaft, sie] ... zu unterdrücken
oder nicht zu denken. Man hält sich ... [und beobachtet,] was
geschieht von Augenblick zu Augenblick. [Man kann sagen, dass es nur
]... weil es eine rechte Hand [gibt, Sinn macht]... von einer linken
Hand zu sprechen...
das ist ja eine Binsenweisheit.
...[Bedenken Sie] zutiefst mit Ihrem ganzen Leben, was es bedeutet,
zwei Flügel zu haben als Vogel. Als ein Vogel.
Weil man selbstverständlich [regelmäßig]... eine große Vertiefung
braucht,... deshalb gibt es [das Sommerlager]... Sesshins sind [auch
wichtig.]
Schon Buddha hat das [Sommerlager gemacht]... das sage ich
immer, er nannte es: ? , Zazen in einem Zimmer. Im Gegensatz zu
[sonst, Buddha war viel unterwegs, sie] ... wanderten
durchschnittlich
40 Kilometer, das ist viel.
Wenn man sich nicht [hin und
wieder]... einige Wochen zurückzieht, in einen Zentempel und nur
praktiziert, fehlt unserer Praxis etwas. Wenn man sich ... vom Leben
aller Lebewesen [zurückzieht, fehlt unserer Praxis auch etwas]...
Also
bitte nehmen Sie die Gelegenheit wahr, [Sommercamp, und
Alltag]... zusammenzubringen - möglichst. Es gibt auch [Schüler, die
nur im Alltag praktizieren]... das ist auch möglich, wie es große
Schüler gibt, die nicht ordiniert sind. Aber wenn es machbar ist,
dann
realisieren Sie beides wie schon bei Buddha.
Noch drei Minuten.
Kaijo.
[Notiert von Boris]