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Kusen
Zazen-Nacht, 12.02.2005, Kusen des Zazen von 20:00 Uhr,(Auszug)
Hier ist ein Auszug des Kusen von Anna Seisen Wassermeyer während der Zazen Nacht am 12.2.2005 im Dojo.
(Das vollständige Kusen der Zazen Nacht ist im internen Bereich zu finden.)

(Die Zitate sind aus Paul Feyerabends Autobiographie „Zeitverschwendung“, Frankfurt / M '93.)



Kommentare zu Buddhas Testament
Buddha Shakyamuni verwirklichte die Erweckung unter dem Bodhibaum, als er den Morgenstern sah.
Stellen Sie sich vor, es gibt einen Bodhibaum und einen Morgenstern,
und niemand geht hin. Wir könnten uns erwecken, aber sind woanders.
Das meint Meister Tozan im Hokyo Zanmai, wenn er schreibt:

Wenn die Gelegenheit sich präsentiert,
müssen wir uns auch dorthin begeben. Als Paul Feyerabend alt war, schrieb er:
"Heute scheint mir, daß Liebe und Freundschaft eine zentrale Rolle spielen.
Und daß ohne sie selbst die höchsten Errungenschaften, und die wichtigsten Prinzipien, blaß, leer und gefährlich bleiben." Er schreibt:

"Wenn ich von Liebe spreche, dann meine ich damit nicht das abstrakte Engagement, wie die Liebe zur Wahrheit, oder die Liebe zur Menschheit, die für sich genommen oft Engstirnigkeit und Grausamkeit begünstigt haben.
Ich meine auch nicht das emotionale Feuerwerk, was sich bald erschöpft.
Ich kann nicht einmal richtig sagen was ich meine. Denn damit müsste ich ein Phänomen umschreiben und abgrenzen, das eine sich ständig ändernde Mischung aus Mitgefühl und Erleuchtung ist.
Die Liebe lockt die Menschen aus ihrer begrenzten Individualität heraus, sie erweitert den Horizont, und sie verwandelt jede Sache auf ihre Weise.
Es liegt jedoch kein Verdienst in dieser Art von Liebe, sie ist weder dem Intellekt noch dem Willen unterworfen, sie ist das Ergebnis einer glücklichen Konstellation der Umstände. Sie ist eine Gabe, keine Leistung." Das ist sehr wahr.

Ganz genauso ist es mit dem Satori, es ist Ergebnis einer glücklichen Konstellation der Umstände.

Aber was Paul Feyerabend nicht wissen konnte, denn er war ja kein Zen-Schüler, ist, daß man den günstigen Umständen etwas entgegenbringen kann:
Unsere Präsenz, unsere tatsächliche, wirklich vorhandene Präsenz. Der gute Vorsatzt genügt nicht.
Wenn die glückliche Konstellation der Umstände eintritt, daß man dann auch da ist, daß man disponibel ist.
Und das ist kein Zufall! Das ist nicht etwas, was einen erwischt, wenn man Glück hat. Dazu muß man eben verwirklichen: Mushotoku.
Mushotoku ist mit dem Verstand nicht zu erfassen, man kann es nur durch das Leben verstehen: Ohne Bestreben, ohne Suche nach Profit, ohne Ziel, das eben ist die Widersprüche umarmen.
Sicher beginnen Sie zu ahnen, was damit eigentlich gemeint ist.
Wenn wir Zazen praktizieren ohne Ziel, und es gelingt uns fortzufahren, mit der Praxis ohne Ziel, obwohl man nichts versprochen bekommt, obwohl man ganz im Gegenteil alles abgesprochen bekommt, dann hat man gute Chancen, daß man da ist, daß man disponibel ist, wenn der Bodhibaum und der Morgenstern kommen. Oder die Liebe.
Wenn man aber darauf wartet und es anstrebt, dann kann es nicht kommen.
Also das Satori nicht verfolgen, allein schon weil man es dadurch gerade vertreibt.

Die Liebe nicht verfolgen, aber entsprechen können, wenn sie kommt, das ist der Weg der Mitte.

Soweit hier zunächst mit sehr unbeholfenem Vokabular.
Verstehen ist jenseits der Worte, es kommt mit der Zeit.

Paul Feyerabend empfahl seinen jungen Studenten, ihren Lebensschwerpunkt woanders zu suchen, nicht in der Philosophie.

Das kann man auch nicht ganz so sagen. Dem würde entsprechen: Suchen Sie nicht Ihren Lebensschwerpunkt im Zen.
Das stimmt und stimmt nicht, auch da muß man den Weg der Mitte finden.
Zumindestens eine Zeit lang muß man sicherlich seinen Lebensschwerpunkt im Zen haben, wenn man es wirklich praktizieren will und nicht nur ein bißchen teilnehmen.

Andererseits ...    es existiert eben ein Andererseits!

Zum Beispiel soll Buddha angeblich gesagt haben: Bekommen Sie lieber keine Kinder.
Aber wenn Sie welche bekommen, und verwirklichen dennoch den Weg, dann ist das höher zu veranschlagen.

Und was sind denn unsere Ziele?!

Sollte man das Höher-zu-Veranschlagende nicht anstreben? Andererseits muß man sich darüber klar sein, daß es wirklich sehr schwer ist, konsequent dem Weg zu folgen, wenn man Familie hat. In den meisten Religionen ist es Mönchen und Nonnen verboten; Buddha sagt es ja nicht aus moralischen Gründen – traut man es sich zu?
(Aber denken Sie auch an Martin Luther ...)

Man kann es nicht genau sagen, es ist eine "ständig sich ändernde Mischung."
Aber dieser ständig sich ändernden Mischung, muß man seine stabile Wirbelsäule integrieren, sonst treibt man mit und kommt nirgendwo hin.

Zuviel von dem, was hier interessanterweise bezeichnet wurde als "Cabaret", zuviel von bestimmten Lebensumständen, ist der Zazenpraxis nicht günstig, das weiß ja jeder.
Wenn man praktizieren möchte, muß man die vermeiden oder einschränken.

Andererseits: Leben in einer Höhle im Himalaya, und sich nur ernähren von einer Handvoll rohen Reis’, bewahrt einen ganz sicher vor fast allen Bonnos, nur nützt das Niemandem, einem selber auch nicht.
Wenn man aus der Höhle wieder heraus kommt, geht alles wieder los.

 ( - ) 

Naturgemäß lassen sich für beide Seiten Beispiele auftürmen.

Es ist nicht das Eine richtig und das Andere falsch. Der Weg der Mitte ist die Widersprüche umarmen, und das muß jeder in seinem Leben finden.

Jedenfalls reiht Buddha unter die acht wichtigen Prinzipien ein, die er in der letzten Nacht seines Lebens seinen Schülern noch einmal vor Augen hält:
Achtet auf Eure Lebensumstände. Organisiert das Leben so, daß eine fortgesetzte gute Praxis möglich ist.

Dann ist auch ein Großstadtdojo wie im Wald.

Wobei letzteres die Worte von Meister Deshimaru sind.

( - - )

( o o ) Kinhin.

So.
Behalten Sie die Konzentration.
Im Geist muß es sein, als wären Sie gar nicht aufgestanden.

( - - - )

( o ) ( - ) ( o o o )

Also, Sie müssen die Fenster schließen, bis auf eins.
Alle wissen, daß ich auf frische Luft größten Wert lege, aber es geht Wind, und wenn es zieht, dann ist wirklich die Konzentration perdu.

Machen Sie alle zu, bis auf eins, welches ist mir egal.

( - )

Neigen Sie gut das Becken nach vorn, daß die Wirbelsäule sich auf natürliche Weise aufrichten kann, ohne Anstrengung.

( - - - )

( o )


(Notiert von Paul L.)