Schönhauser Allee 110, D-10439 Berlin, Tel: +49(0)30 4476260,info@fuku-gen.de
| Zazenzeiten | ||
| Mo | geschlossen | |
| Di | 7.30 | 19.30 |
| Mi | 7.30 | |
| Do | 7.30 | 20.30 |
| Fr | 7.30 | 19.30 |
| Sa | 18.00 | |
| So | 11.00 | |
Download in Word
[---]
Fortsetzung Das Buch vom Kesa. Das Kesa-Koduku und das Den-e, die beiden Kapitel des Shobogenzo des Meister Dogen und die Kommentare von Meister Deshimaru und ab und zu meine Kommentare
Wir sind jetzt bei Kapitel 19: „Kesa und karmische Weisheit der Vergangenheit“.
Meister Deshimaru schreibt:
„Hier ein Satz von Dogen in sehr altertümlicher Form.“
Bei Dogen steht:
„Auf gleiche Weise wie man ein Kleidungsstück färbt wird
die Färbung einer Zeile oder eines Gedichtes über Zen zum Keim ewiger
Erweckung: Mugeko für den Körper und für den Geist.“
Meister Deshimaru schreibt:
„Diese Worte über Zen berühren die große Weisheit, die
größte Erweckung, die höchste Wahrheit. Genauso, wenn wir ein Dharma färben
oder eine Wohltat, so verwandeln sie sich in einen Keim ewiger Erweckung und
werden schließlich die höchste Wahrheit, das erhabenste Satori.“
Bei Dogen steht:
„Der Geist und das Bewusstsein erscheinen oder verschwinden
in einem Augenblick. Das ist Mushujo, nicht stagnieren, sich nicht aufhalten.
Aber die Verdienste unserer Praxis sind ganz sicher Samen, die Wurzeln
getrieben haben, die wachsen, und die Verdienste daraus werden erscheinen.“
Meister Deshimaru schreibt:
„Das Kesa ist weder ein Mittel, noch eine Methode, eine
Technik oder ein Werkzeug. Es ist weder ein Mittel, noch die Abwesenheit eines
Mittels. Noch etwas, das existiert oder das bleibt. Noch etwas, das nicht
existiert oder nicht bleibt. So ist das übermittelte Wort von Buddha zu Buddha.“
Das geht noch etwas weiter. Das sind natürlich sehr kryptische Worte, besonders für Anfänger. Von Ihnen heute Morgen ist keiner ein ausgesprochener Anfänger, aber wir bleiben ja immer Anfänger, und einige von Ihnen üben noch nicht jahrelang. Im Zuge der Praxis versteht man diese Dinge intuitiv, weil man anknüpfen kann bzw. sie sich von selber anlagern, andocken an Dinge, die man weiß, Erfahrungen, die man gemacht hat.
Dogen stammte, wie sie wissen, aus dem Hochadel. Damals war Zen für das einfache Volk nicht zugänglich. Das kam erst einige Generationen später. Auch seine Schüler und Mäzene waren sehr feine Leute. Auch sein Nachfolger und großer Schüler Ejo hatte eine Fujiwara-Prinzessin zur Mutter. Die Fujiwara verheirateten ihre Töchter immer mit den Kaisern. Ejo und Dogen waren verwandt. Ich weiß nicht wie nah. Jedenfalls stammten ihre beiden Mütter von den Fujiwara. Das erzähle ich ihnen deshalb, damit sie einschätzen können wie Dogens Ausbildung war. Es war eine sehr privilegierte Ausbildung. Unter anderem lernte er dichten. Man erwartete damals von den ranghohen Ministern, dass sie dichten konnten. Deshalb sind Dogens Gedichte so gut. Das war kein geniales Talent, das wunderbarerweise vom Himmel fiel, sondern gelernt und trainiert. Dogen wusste aber nicht so genau, was er von der Poesie halten sollte im Verhältnis zur Praxis. Er schreibt:
„Wie Sprache und Stil auch sein mögen, das Wichtigste ist,
in allen Einzelheiten die Wahrheit niederzuschreiben, die ihr ausdrücken wollt.
Selbst wenn Menschen späterer Generationen euer rhetorisches Rüstzeug für mager
halten könnten, so ist für den Weg nur wesentlich, dass sie die Wirklichkeit
verstehen können. Dasselbe gilt für andere Wissensbereiche.“
Er fand aber auch, ein gutes Zen-Gedicht kann die Konzentration, die Freiheit von persönlichen Gedanken, die Präsenz im Zazen enthalten und im Kusen den Schülern helfen Hishiryo zu verwirklichen. Und deshalb schreibt er:
„Die Färbung einer Zeile oder eines Gedichtes über Zen wird
zum Keim ewiger Erweckung für den Körper und für den Geist.“
Leute, die gar kein Zazen machen, finden ein schönes Gedicht vor. Für Zen-Schüler, die das was dort angesprochen wird kennen, kann es wie ein Katapult sein, der einen vom schalen Alltagszeug sozusagen in Hishiryo „schießt“. Nicht ganz passend zur Jahreszeit fällt mir folgendes Beispiel für ein Dogen-Gedicht ein, das Zazen in einer Nussschale enthält:
„Ohne Bestreben
die Vögel zu verscheuchen
steht sie still im Feld
unnütz hebt sie nicht den Fuß
um sonst wo hinzuwandern.“
„Diese Worte über Zen berühren die große Weisheit, die
größte Erweckung, die die höchste Wahrheit.“
Gleichzeitig ist es ein Koan. Es hakt sich fest. Immer wieder mal in ihrem Leben werden sie an die Vogelscheuche denken, die ganz still steht und sich gar nicht bewegt. Es ist ein sehr raffiniertes Gedicht. Ist sie unnütz oder findet sie es unnütz zu wandern mit den Gedanken? „Unnütz, hebt sie nicht den Fuß, um sonst wo hinzuwandern.“ An solchem Doppelsinn hatten japanische Dichter große Freude. Sie nannten das „Türangelworte“. So handelt dieses nicht nur vom Kesa und vom Färben, von Kunst, sondern von Zazen, von Keimen der Erweckung, die gelegt werden, jetzt. Genau jetzt in einem konzentrierten Zazen. Können Sie sich erinnern? Vorige Woche habe ich gesagt: Das beste Mittel, dass morgens wieder ein paar Leute mehr ins Dojo kommen, ist Ihr konzentriertes Zazen hier und jetzt. Wir sind schon mehr. Jedes Mal, das Sie aufstehen, ins Dojo kommen und praktizieren erschafft eine Art Samenkapseln, die Ihnen helfen das nächste Mal auch wieder zu kommen. Deshalb sag ich immer: Kommen Sie lieber zu spät als gar nicht. Wegen dieser Kapseln. Pünktlich ist schöner, aber zu spät ist auch O.K.. Hauptsache Sie üben. Manche halten das für eine Marotte von Anna, aber ich habe eine große japanische Meisterin getroffen, und die sagt das auch. Das gilt ganz genauso, wenn Sie das ganze Zazen – fast das ganze Zazen – verschlafen haben. Dann können Sie sich in den letzten Minuten noch konzentrieren, und das erschafft karmische Kapseln, das legt Samen. Es unterstützt Ihre weitere Praxis und den ganzen Kosmos. Das ist überhaupt nicht zu unterschätzen, das ist sehr stark.
Noch ein paar Minuten. Konzentrieren Sie sich gut.
[--]
Notiert von Marlon
Stille : kurz: [-] , mittel: [- -], lang: [- - -]