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Fortsetzung Funzo-E.
Bei Dogen steht:
„Funzo-E, das Kesa aus Lumpen.
Es kann sechstens bis zehntens verwendet
werden: Wäsche, die bei der Niederkunft einer Frau gebraucht wurde. Der besudeltste
Stoff kann Kesa werden. Der schlimmste, der an dem man gar nicht hängt, wird
der erhabenste Stoff. Sodann siebtens: Stoffe, die auf Friedhöfen gefunden
wurden. Achtens: Stoffe, die in Gräbern oder Heiligtümern geopfert wurden.
Neuntens: Gewänder, die von Gouverneuren abgelegt wurden.“ Meister Deshimaru
setzt hinzu: „In Indien wechselten die Gouverneure ständig die Kleidung.
Zehntens: Stoffe, die zu Totenzeremonien gedient hatten.“
Kommentar von Meister Deshimaru:
„Heutzutage ist es nicht nötig zu imitieren,
was uns die Sutras berichten.
Man muss den Geist, der darin sichtbar wird
verstehen und den ursprünglichen Sinn von Funzo-E.
Der letzte Stoff kann verwendet werden. Man
muss ihn reinigen, dann färben, zuschneiden und nähen. So erhält man ein Funzo-E,
das höchste der Kesas.“
Er fährt fort:
„Man soll das Kesa weder tragen noch nähen
für sein Ego, für sich selber, für seinen eigenen Profit. Sondern für den
wahren Weg, mit einem Mushotoku-Geist. So kommen die Verdienste sehr genau.“
Dazu ließe sich wiederholen, was ich weiter oben schon erwähnt habe. Nehmen Sie trotz allem einen unkomplizierten Stoff. Nicht nötig im Krankenhaus Laken zu erbitten, in denen jemand gestorben ist. Sie müssen bedenken, zu Buddhas Zeiten konnte man Stoff nicht ohne weiteres kaufen. Man musste ihn beim Weber bestellen. Wenn nicht überhaupt erst das Garn gesponnen werden musste. Und das dauerte. Buddha nahm das Einfachste, Unkomplizierteste. Das, was er vor der Nase hatte. Und das ist heutzutage der Karstadt, nicht der Friedhof. Heutzutage wäre ein Kesa aus Stoff, in dem jemand gestorben ist, ein exzentrisches Kuriosum. Es wäre nicht ein Material, an dem man nicht haftet.
Bei Dogen steht:
„Wenn man Kesa näht, soll man die
traditionelle Methode nicht nach seiner persönlichen Meinung und für seinen
persönlichen Nutzen ändern. Irgendwelcher Stoff kann verwendet werden, um ein
Kesa zu machen, aber man muss der wahren Überlieferung folgen, der wahren
Unterweisung. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Baumwolle reiner als Naturseide
sei. Es ist auch ein Irrtum Seide auszuwählen, nur weil sie schöner als
Baumwolle ist.“
Kommentar von Meister Deshimaru:
„Der Geist muss immer Mushotoku bleiben.“ - ‚Mushotoku’ heißt ‚ohne Ziel’, ‚ohne Streben nach Profit’ - „Benutzt Baumwolle, benutzt Seide oder Leinen. Man soll nicht mit seinem eigenen Ego auswählen. Das höchste Kesa, Funzo-E, Lumpen, von den Kühen zerrissene Kleider, angenagt von den Ratten, die Kleider der Toten, in den Wäldern aufgesammelt oder Leichentücher, wie die von weißer Farbe, die heute noch in Japan verwendet werden, um die Körper der Toten zuzudecken. Nachdem der Körper verbrannt wurde, bringt man das Leichentuch manchmal mit zurück. Man kann alles gebrauchen, um ein Kesa zu machen, alle Arten Stoffe. Nachdem man sie gewaschen und desinfiziert hat, werden sie ganz rein. Man färbt sie, man näht sie und so macht man ein Funzo-E, das höchste der Kesas.“
Er fährt fort:
„Weit in den Bergen des Himalaya befand sich
ein sehr großer, tiefer, unendlicher See, wo das Wasser ganz und gar rein war.
Shuna Shami wusch in diesem See das Kesa Funzo. In diesem Moment guckte der
große König der Drachen vom Himmel und war beeindruckt, voller Bewunderung und
voll Respekt. Er lächelte, ließ einen Regen schöner Blüten fallen und machte
Sampai. So werden die schlimmsten Kleider die respektabelsten Kesa. Die
beschmutzesten Stoffe werden die reinsten. Die idiotischsten Leute, diejenigen,
die die schlimmsten Bonno haben, werden die größten Mönche. Das ist eine sehr
tiefe Philosophie.“
Er schreibt:
„Aber manche ziehen daraus den Schluss, dass
man große Bonno haben und zu den schlimmsten Leuten gehören muss - sexbesessen
sein, Frauen zum Sesshin mitbringen. Das ist ein großer Irrtum. Ich kann solche
Leute nicht brauchen, die sich benehmen wie Hunde. Ich kann sie nicht einmal
zum Kesanähen einsetzen. Man darf sich nicht in der Richtung irren, im Weg.
Wenn man Zazen macht und wenn man das Kesa anlegt in einem Mushotoku-Geist
werden die Bonno, die beschmutzesten Körper, ganz schnell die erhabensten Kesa,
der reinste Geist.“
Sicherlich hat Meister Deshimaru jemand bestimmten gemeint, ich kann mir auch vorstellen wen von seinen Schülern, aber Zen im Allgemeinen und Meister Deshimaru im Besonderen sind nicht moralisch. Ein sehr weises Bonmot von Meister Deshimaru über Sex ist folgendes, das Sie vielleicht schon kennen.
Er sagt:
„Ach, die Leute sind ja seltsam. Beim Zazen
und bei der Arbeit denken sie an Sex. Und umgekehrt.“
Die ganzen Leute, die komische verstärkende Maßnahmen praktizieren - also bitte, ich will das nicht verurteilen - aber nur damit sie beim Sex präsenter sind, nicht im Geist woanders, wenn die wüssten, dass das mit Zazenpraxis billiger und einfacher ist, dann hätten wir ein volles Dojo. Beim Zazen praktizieren wir präsent zu sein in dem was wir tun. Hier und jetzt ist das Zazen. Diese Präsenz können Sie mit hinaus nehmen, aus dem Dojo in Ihr gesamtes Leben. Dann wird alles zu Zazen, alles wird Präsenz. Alles. In allem sind Sie ganz da.
Notiert von Marlon