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Abendzazen, 2. August 2005, Anna Seisen
[ . . . Ziehen Sie ihr Kinn zurück!]

Na ja wie immer, die Leute die ihr Kinn schon ganz gut zurückgezogen haben, ziehen es noch weiter zurück, und von denen ich rede, die rühren sich kein bißchen.

Es ist klassisch. Dann machen Sie gerne was Sie wollen. Wenn es zu sehr stört, müssen Sie allerdings auf den Gaitan, denn eine schlechte Haltung stört.

Ohne Witz, wir haben immer die Tendenz, so wie wir einigermaßen schmerzfrei sitzen können, sich um die Haltung nicht mehr zu bemühen. Bitte praktizieren Sie die rechte Anstrengung.

[ - ]

Nehmen Sie das bitte ernst und ziehen Sie das Kinn zurück.
Meister Deshimaru sagte es ständig, ständig, ständig, ständig.

Wenn man sein Erbe reduzieren müßte auf einen Satz, dann wäre der: [ auf französisch: Kinn zurück ziehen ]
Wer ihn gekannt hat, hat es noch im Ohr.

[ - - ]

[Der Godo steht auf und korrigiert die Haltungen und gibt Kyosaku. - -]

[ - ]

Kinhin. [ o o ]

[ - - ]

[Godo sieht sich die Kinhin-Haltungen an]
Die Kinhin-Haltungen sind gut.

[ o ] [ - ] [ o o o ] Fenster bitte noch behandeln. [ etwas schließen ]

[ - ]

Hokyo Zanmai, die Versenkung (das Samadi), das Samadi des kostbaren Schatzes der ein Spiegel ist.

Ich lese die letzten Verse vor, die letzt vergangenen.

Der 22. :
Jetzt gibt es das plötzliche und allmähliche, das Zen wird Sektion, das ist ein Maß des Vergleichs.
Trotz des Verstehens innerhalb der Schulen und der Verwirklichung der Idee, ist es eine Beschmutzung im wahren Satori.
Äußerlich ruhig im Innern Bewegung, das ist wie das angebundene Pferd, das ist wie die versteckte Ratte.
Da alle Meister der Weitergabe sich über diesen Punkt bekümmert haben, so verspüren sie das Bedürfnis...
Na das Gerät klingt aber seltsam. [der MD-Rekorder klappert]
... verspüren sie das Bedürfnis, das Dharma als Geschenk zu machen.
Da jeder seinen Illusionen voller Irrtum folgt, verwechselt er schwarz mit weiß, aber wenn die Illusion weggeht, in diesem Augenblick selbst, kann jeder von sich aus verstehen.
Jetzt müßte der 26. Vers kommen [ - ], er lautet folgendermaßen:
Wenn Ihr den alten überlieferten Spuren entsprechen möchtet, wenn Ihr dazu passen möchtet, dann bitt ich Euch, betrachte mit Aufmerksamkeit das Beispiel der vorhergehenden Alten.
Der Baum wurde seit 10 millionen Jahren beobachtet, damit der Weg des Buddha gelang.
Diese Verse sind alle schon kommentiert worden. Der 26. nur kurz in der Zazen-Nacht [ letzten Sonnabend ].

Der Schluß des Kommentars lautet:

In seinem Shobogenzo zitiert Meister Dogen folgenden Satz von Meister Keizan:

Wir sind geschüttelt, gerollt, hinweggetragen durch die Praxis des Satori.


So ist die Essenz des wahren Zen weitergegeben von einem authentischen Meister an einen wahren Schüler, von Kodo Sawaki zu Taisen Deshimaru und von Taisen Deshimaru an Seisen.

Viele Leute, die aus Büchern eine Vorstellung von Erleuchtung haben, von Erweckung (ist das bessere Wort), stellen sich das vor als Blitzschlag, als weißes Licht, aber geschüttelt, gerollt hinweggetragen trifft es viel besser.

Dann kommt der 27. Vers, der ist sehr seltsam, ein Teil des Kommentars hab ich schon vorgetragen, aber nicht alles.
Der Vers lautet:
Wie der Mangel, der Fehler des Tigers, wie die Nachtaugen des Pferdes.
Nachtaugen, klingt erotisch, ein bißchen nach Sherazade [?], es sind aber hier nur weiße Flecken gemeint, an den Beinen eines schwarzen Pferdes, die man, wenn es nachts galoppiert anscheinend für Augen halten kann.
Es ist eine asiatische Vorstellung für uns scheint es seltsam, aber mit absoluter Sicherheit haben wir Vorstellungen, die für Asiaten sehr seltsam sind.

Meister Deshimaru schreibt:

Nach dem Volksglauben in Asien, wenn ein Tiger einen Menschen frißt, reißen seine Ohren ein, das ist sein schwacher Punkt.
Das Pferd hat auf der Höhe der Knie weiße Haare und nachts wenn es galoppiert, dann erscheinen diese Flecken wie Augen, nicht genug oder zuviel, die wahre Schönheit ist immer unvollkommen.


Ich hab Ihnen öfters gesagt, daß man lange Zeit vergessen konnte, daß Meister Deshimaru aus einer ganz anderen Kultur kam und natürlich auch aus einer ganz anderen Generation, aber dann passierten wieder Situationen, wo es einem wieder schlagartig aufging.
Diese eigenartig gewählten Beispiele für Unvollkommenheit gehen ein bißchen in die Richtung. Manchmal erzählte er Geschichten die wahren sterbens langweilig und er fand sie sehr komisch und anregend und war etwas erstaunt, daß wir nicht lachten, aber auch wir konnten ihm auch etwas höchst erheiterndes erzählen: Sensei, Sensei ... , und er verstand nicht was uns daran Spaß machte.
Er fährt fort in seinem Kommentar, das hab ich schon vorgetragen, das ist schön und wichtig, ist aber sehr lang, ich muß es abkürzen.
Er schreibt:

Hier eine Geschicht aus dem Buch: Die Gerechtigkeit von Sand und Stein, von Meister Mudsho[?]:

Ein Kurrierläufer der Krank war, fallsüchtig, mußte sich in der Nacht zu jemanden begeben, auf seinem Weg mußte er eine kleine Holzbrücke überqueren, die einen schnellen Gebirgsbach überspannte. Als er das Wasser des Gebirgsbach ...


Also so ein Gebirgsbach, halten Sie sich bitte vor Augen, ist ja eine Mischung aus Bach und Wasserfall.

... Als er das Wasser des Gebirgsbach von oben von der Brücke ansah, befiel ihn ein epileptischer Anfall, er fiel ins Wasser und wurde mitgezogen von dem Strom.
Am andern Morgen erwachte er am andern Ufer, lebendig.
Als Scheintoter war er ins Wasser gefallen und deshalb konnte er weiterleben.

Wenn wir den selben Sturz erleben müßten ohne unbewußt zu sein, würden wir sicherlich sterben.

Bei meinem ersten Treffen von Kodo Sawaki im Tempel von Sojiji [?], lieh mir dieser drei Bücher, dabei die Biographie des Bettelmönchs Tossui [?], der Chef eines sehr großen Tempels war.
Aber Meister Tossui ging dort weg, gab alle seine Mönchsgewänder auf, um sich einer Gruppe bettelnder Aussätziger anzuschließen.
Früher wurden die Aussätzigen verjagt, und waren gezwungen miteinander in Gruppen zu leben.
Einer seiner Schüler lief ihm hinterher, Tossui sagte ihm: Wo ich hingehen will ist es ziemlich schwierig mir zu folgen, gib alles auf sogar deinen Kolomo und dein Kesa nur diese Strohmatte muß die genügen um zu schlafen. Der Schüler ging mit Meister Tossui.
Eines Tages bat ihn Meister Tossui ein Loch zu graben, um ein Mann zu beerdigen, der an der Lepra gestorben war, der Schüler gehorchte.
Als das Loch groß genug und fertig war, ordnete Tossui an: Nimm also die Beine und ich nehme den Kopf. Der Körper der Leiche war ganz verfault von der Lepra, und der Schüler war beinah ohnmächtig vor Ekel. Sie legten ihn dennoch in die Erde.
Ein anderes Beispiel war, daß der Schüler nach etwas zu essen fragte und Meister Tossui ihn die Suppe aufessen lassen wollte, die ein Aussätziger übrig gelassen hatte. Hautfetzen schwammen darin.
Ja du mußt nicht denken Gemüse zu essen oder Fleisch. Der Schüler sagte sich, wenn ich diese Suppe nicht esse, heißt es, daß mein Entschluß schwach ist, ich muß essen. Der erste Schluck blieb ihm im Hals stecken er konnte diese Suppe nicht herunter schlucken.
Da sagte ihm Meister Tossui, es ist schwer, mein Schüler werden ist sehr schwer und dies ist Dir nicht möglich. Der Schüler begann zu weinen, und Tossui sagte weiter, meine Dimension und deine sind nicht die selbe, unser Umstände sind anders, du kannst kein Bettler sein, du mußt Tempelchef sein.
Und in der Folge wurde der Schüler ein großer Mönch. Tossui selber blieb ganz und gar Bettler, schlief wo er konnte, in Scheunen und er starb mit 88 Jahren bei dem Tempel Antaiji [?] in Kyoto.
Antaiji ist der Tempel von Meister Kodo Sawaki.
Am Ende seines Lebens hatte ein reicher Sakehändler sich seiner angenommen, und er ließ ihn Essig verkaufen, den er aus dem Bodensatz von Sake gemacht hatte.
Von Zeit zu Zeit ging Tossui ein paar Tage aus dem Laden seines Beschützers weg, um in einem Stall zu schlafen [ ... er hatte immer ein Bild von Amida Buddha bei sich, ... ] das er so gut es ging an die Mauern des Stalls hing, dazu schrieb er ein kleines Gedicht:

Hier ist es eng und schmutzig, aber ich leihe ihnen diesen Stall.

Amida-Buddha, der Buddha des Mitgefühls eine Ausprägung des Bodhisattva-Geistes.

Und dann kommt der 28. Vers, der ist neu, vielleicht hab ich morgen noch Zeit den Kommentar vorzutragen. Er lautet:

Da die Menschen in ihrem Geist Horror haben und durch ihren Minderwertigkeitskomplex die Dinge, die Artikel wie rare Schätze betrachten, muß der Meister sich in eine Katze oder in einen weißen Büffel verwandeln.

Dazu schreibt Meister Deshimaru:

Was ist der Geist der Horror, von Angst, den die Meister der Weitergabe ändern müssen? Da die Menschen sich schwach fühlen, müssen die Meister der Weitergabe der gesellschaftlichen Ordnung folgen, wie die Haustiere, wie die Katze oder der Büffel.
Die Menschen, oder die meisten unter ihnen, besitzen die höchste Wahrheit, das Satori, sie haben Angst diese raren Artikel zu gebrauchen. Diese Dinge, die sie für Schätze halten, denn sie sind weder Kaiser noch König, so sind sie gezwungen obwohl sie es sich wünschen, den Weg zu fliehen, denn ihrer Ansicht nach ist es ein seltener und kostbarer Artikel.
Im Lotus Sutra kann man folgende Erziehungsmethode lesen:
Der Buddha oder der Meister muß das Mittel finden in die Eingeweide des Esels oder des Pferdes einzudringen.

Tatsächlich steckt hinter diesen etwas queren Sätzen eine sehr große Frage, es ist mein Frage, als Nonne, als Godo: Obwohl der Mensch sich nach dem Kontakt mit dem Dharma mit jeder seiner Fasern sehnt, hat er gleichzeitig riesige Angst davor, warum? Ich weiß nicht.
Oberflächliche Erklärungen gibt es natürlich einen Haufen: weil er seine Gewohnheiten nicht ändern will, heißt es oft. Aber vielleicht ist es weil er nicht glauben kann, das die Erweckung ihm wirklich möglich ist.
Sie ist möglich jedem, jedem. Nicht nur dem unschuldigen Naiven, nicht nur dem Weisen oder Intellektuellen, nicht nur dem Großen oder dem Kleinen, nicht nur Männern, nicht nur Frauen.
Zwanzig Jahre höchstens dreißig, das ist natürlich das Dumme, wir wissen nicht wie lange wir die Praxis fortsetzen, wir können es nicht wissen. Seien Sie froh und dankbar über jedes Zazen, jede Woche, jeden Monat die Ihnen gelungen ist fortzufahren. Nehmen Sie möglichst an Sesshins teil, denn die pflanzen kraftvolle Keime der Praxis. Man braucht Sesshins um kraftvolle Keime zu pflanzen und man braucht Alltagspraxis um sie zu entwickeln und zu kultivieren.
Wenn die Alltagspraxis zu sehr Richtung Sesshinpraxis geht hören die Leute erfahrungsgemäß auf, weil die Praxis implodiert, zu intensiv, zu wenig Austausch.
Wenn die Praxis zu sehr Richtung Alltag geht, wenn auch die Sesshins zu sehr wie Alltag gestaltet sind, dann hören die Leute auch auf.
Praktizieren Sie ein gutes Gleichgewicht, und das können Sie hier und jetzt, genau jetzt in diesen beiden letzten Minuten des Abendzazen sofort praktizieren.

Kaijo.

Notiert von Paul.

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Wenn ich keine Ahnung hab, wie es geschrieben wird: [?]