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Kusen
Kusen vom Dienstag, den 30.5.06 Morgenzazen – Vorkorrigierte Fassung
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Wenn Sie Zazen in Ihrem Leben etablieren wollen, man könnte auch sagen, wenn Sie spüren, dass Sie das eigentlich müssen, dann sind Sie gut beraten, wenn Sie sich zunächst nicht zu viel vornehmen. Ein oder zwei Mal die Woche zu praktizieren und das ein Leben lang ist einer Praxis vorzuziehen, in der man fünf, sechs Mal die Woche kommt, das aber nur zwei Jahre lang, aber auch das ist gut: Ein Lebensabschnitt mit Zazenpraxis.

Wenn Sie Ihre beiden Termine wirklich in Ihrem Alltag verankert haben, dann können sie einen dritten Termin einbauen. Und einen vierten.

 

Das Dojo ist im Moment sehr leer. Für die Atmosphäre im Zazen ist das kein Problem. Solange wir nicht Pleite gehen, ist es kein Problem. Obwohl Mai ist und das Aufstehen leicht fällt und mit dem Fahrrad ins Dojo fahren schön ist, machen es nur wenige. Für die Verantwortlichen, das weiß ich, ist es nicht leicht, leere Termine abzusichern. Aber tun Sie es bitte trotzdem. Es wird sich wieder ändern, erfahrungsgemäß. Und sehen Sie es als Übung, als Verankerung Ihres Praxisrhythmus im Alltag an.

 

 

 

Das einundzwanzigste Kapitel des Kesa-Buches ist das berühmteste Kapitel. Es heißt das „Funzo-e“.

 

Meister Deshimaru schreibt:

„Was soll man verwenden, um ein Kesa zu nähen? Baumwolle? Leinen? Seide? Wolle? Es ist je nach Land unterschiedlich. Soweit wie möglich verwendet Leinen, Baumwolle oder Seide. Synthetische Stoffe machen Geräusche im Dojo. Meister Dogen besteht immer auf dem Sachverhalt, dass man nicht auswählen soll. Alle Buddhas und Patriarchen haben, um das Kesa zu nähen, Stoffe genommen, an welchen sie nicht mehr hingen.“

 

Dem würde ich hinzufügen, dass es heute synthetische Stoffe gibt, die kein Geräusch machen. Aber nach wie vor lassen sich synthetische Stoffe schlecht montieren, schlecht bügeln, allerdings halten sie lange. Leinen hält gar nicht lange. Seide ist sehr mühsam zu arbeiten. Beides macht nichts. Warum soll man die große Arbeit eines Kesa nicht in einem Material verwirklichen, das nicht lange hält? Dann darf man bald wieder ein Neues nähen. Und es muss auch nicht unbedingt leicht gehen. Wir sind vielleicht ein bisschen weit gegangen im Arbeiten mit Stoffen, die leicht gehen. Ich denke, – genau wie mit der Zazen-Praxis – dass man besser ein Kesa aus einem schlichten Baumwollstoff, der sich leicht arbeiten lässt, tatsächlich macht, als dass ein sehr schönes Leinen- oder Seidenkesa Projekt bleibt. Schöne, nicht ganz alltägliche Stoffe – natürlich in dunklen Farben, in Erdfarben – sind auch ein Aspekt des Kesa. Aber wie Meister Deshimaru gerade bemerkte: Meister Dogen besteht immer auf dem Sachverhalt, dass man nicht auswählen soll. Wenn einem Eitelkeit – der Gedanke, ein schönes Kesa tragen zu können – hilft, es zu arbeiten, warum nicht? Aber dann muss man die Anhaftung aufgeben. Sie gibt sich übrigens von selber auf. Das Kesa hat einen sehr starken Selbstreinigungseffekt. Wenn Sie es praktizieren, werden Sie schnell merken wovon ich rede. Manchmal kommen Zen-Schüler, die wollen ein Kesa nähen aus dem Hochzeitskleid ihrer Großmutter. Das hatte ich, das kommt vor. Wenn Sie unbedingt wollen und der Stoff geeignet ist, O.K.. Aber nehmen Sie lieber einen unkomplizierten Stoff. Auch wenn es Seide sein sollte, nehmen Sie das Sonderangebot von Karstadt und nicht einen alten Sari. Nur zum Beispiel. Meister Deshimaru schreibt: „Funzo-e“. ‚Fun’: ‚Kacke’. ‚Zo’: ‚reinigen, waschen’. Solcherart ist die höchste Beschaffenheit des Kesa.

 

Er schreibt:

„Dogen spricht von zehn Sorten von Funzo-e. Erstens: Solche aus Stoffen, die gebrannt haben. Zweitens: Stoff, der von Kühen angefressen wurde. Er schreibt in Indien werden die Kühe sehr respektiert. Drittens: Stoff, den Ratten angeknabbert haben. Viertens: Stoff, der dazu diente, Tote hinein zu wickeln. Leichentücher.

 

Wenn in Indien jemand stirbt, entkleidet man ihn und wickelt ihn in ein Tuch. Zu Buddhas Zeiten brachte man die Toten in den Wald und die Leichen wurden von den Tieren gefressen. Nur die Tücher blieben zurück.

Das mag auf uns sehr brutal wirken, aber bedenken Sie, dass das unter Hygienegesichtspunkten keine schlechte Idee ist.

 

„Fünftens: Stoffe, die von Frauen für ihre Menstruation gebraucht wurden. Natürlich muss man sie vorher gut waschen.“

 

Soweit. Fortsetzung Freitag. Mit den anderen fünf Sorten Funzo-e. Der letzte Stoff kann verwendet werden. Man muss ihn reinigen, färben, zuschneiden und nähen. Dann erhält man ein Funzo-e, das höchste der Kesa.

 

 

 

Notiert von Marlon