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Kusen
Kusen vom Dienstag, den 13.6.06 Morgenzazen - Vorkorrigierte Fassung
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Fortsetzung das Buch vom Kesa, das berühmte Kapitel Funzo-E.

 

Zunächst möchte ich eine wichtige Stelle von voriger Woche noch einmal wiederholen, die mir beim Korrigieren der Mitschrift noch einmal besonders aufgefallen ist.

 

 

Meister Deshimaru schreibt:

„Heutzutage ist es nicht nötig zu imitieren, was uns die Sutras berichten. Man muss den Geist, der darin sichtbar wird und den ursprünglichen Sinn – in diesem Fall von Funzo-E – erfassen und verwirklichen.“

 

Das ist sehr wichtig. Das ist wichtig für Ihre gesamte Praxis, Ihr gesamtes Leben. Wie sollen wir umgehen mit den überlieferten Regeln? Wir müssen ihren Sinn verstehen und ihr Wesen, ihre Essenz beobachten und praktizieren. Wir müssen sie nicht wortwörtlich einhalten. Folgen ist sehr wichtig. Aber das ist gar kein bisschen identisch mit militärischem Gehorsam. Das ist ein intuitives, osmotisches Verstehen, das aus der Präsenz im Hier und Jetzt kommt. Man erfasst das Richtige, unbewusst, natürlich, automatisch. Ich halte große Stücke auf die Tradition und sage immer: Was so viele Generationen erleuchteter Meister – und es sollen Meisterinnen dabei gewesen sein – entwickelt haben, das ist ein gut ausgereiftes Modell. Um klüger zu sein als die Tradition muss man sehr früh aufstehen.

 

Deshalb darf ich sagen: Erfassen Sie die Präsenz und befolgen Sie die überlieferten Regeln nicht zu wortwörtlich. Nicht nötig, Leichentücher zu verwenden, um ein Kesa zu nähen. Es geht darum, ein einfaches, unkompliziertes Ausgangsmaterial zu nehmen. Zu Buddhas Zeiten war es kompliziert, sich einen neuen Stoff zu besorgen. Es hat lang gedauert. Einen gebrauchten zu nehmen, zu waschen und zu färben war viel einfacher. Heute ist es anders. Es gibt Leute – auch Mönche, wahrscheinlich auch Nonnen – die finden die kosmische Ordnung eine Zumutung und wollen alles selber kreieren. Wir müssen folgen. Wir müssen uns an das anschließen, was ein paar Nummern größer ist als unsere private Persönlichkeit. Auf diese Weise können wir wachsen. Wenn wir alles nach unseren eigenen Maßstäben ausrichten, dann bleiben wir auf einem begrenzten Niveau. Aber wir müssen der Essenz folgen.

 

 

Bei Dogen steht:

„Gewisse Mönche fragten den alten Buddha…“

 

Dogen schreibt immer gern ‚alter Buddha’, wenn er von einem großen Meister spricht und hier ist Eno gemeint, Hui-Neng auf Chinesisch.

 

„Gewisse Mönche fragten den alten Buddha, als er das von Meister Konin weitergegebene Kesa erhielt, um Mitternacht auf dem Berg Obai: ‚Ist dieses Kesa aus Baumwolle oder ist es aus Seide?’ ‚Es ist weder aus Baumwolle, noch aus Seide’ antwortete Eno.’“

 

Kommentar von Meister Deshimaru:

„So müssen wir es verstehen. Das Kesa ist nicht von einer Art. Es ist weder aus Seide noch aus Baumwolle. Sondern eine sehr tiefe Unterweisung des Weges von Buddha, das absolute Geheimnis. Hier sind die Kommentare sehr wichtig. Ihr müsst die Bedeutung von Funzo und Shikantaza verstehen.“

 

Die Beziehung von Funzo und Shikantaza ist schon erklärt worden. ‚Funzo’: ‚das einfachste Material’, das Nächstbeste. Wir selber.

Und ‚Shikantaza’ – Sie wissen es – heißt: ‚einfach nur sitzen’. Indem wir einfach nur sitzen – Mushotoku, ohne Ziel – wird aus dem einfachen Material, das wir selber sind, Buddha. So wie aus dem einfachsten, geradezu schlechten, Buddhas Gewand wird.“

 

Im Shushogi steht:

„Buddha und die Patriarchen waren früher wie wir. In der Zukunft müssen wir sein wie sie.“

 

Und die Zukunft ist natürlich hier und jetzt verwirklicht in Ihrem schönen Zazen.

 

 

 

Dann kommt jetzt ein anderer thematischer Aspekt in dem Kapitel Funzo-E.

 

Bei Dogen steht:

„Die Sutras berichten, dass der dritte Patriarch nach Mahakashyapa und Ananda mit einem Kesa bekleidet war, als er geboren wurde.“

 

Kommentar von Meister Deshimaru:

„Das ist möglich. Kodo Sawaki erklärt in seinen Kommentaren, dass wenn ein Baby bekleidet geboren wird, es so ist, als trüge es ein Kesa.“

 

Dazu hat der Text eine Anmerkung welche diese sehr wundersam wirkende Beschreibung als ganz normal erscheinen lässt. Nämlich, es kommt vor, dass bei der Geburt die Plazenta zur gleichen Zeit herauskommt wie das Kind. Daher der Ausdruck ‚bekleidet geboren werden’, was schon immer als gutes Vorzeichen galt. Jetzt kommt ein Satz, den ich sehr liebe.

 

Bei Dogen steht:

„Wenn man einen Anzug anhat – oder ein beliebiges anderes Kleidungsstück – wenn man die Ordination erhält wird dieses Kleidungsstück das Kesa oder der Kolomo.“

 

 

[Geräusche eines fegenden Besens auf dem Hof]

An dieser Stelle mache ich das nächste Mal weiter. Der ältere Mann, der den Hof fegt, fegt gerade so unter dem Dojo-Fenster. Sicher will er das Kusen hören, aber wir sollten ihm beim Fegen zuhören, das ist auch ein sehr gutes Kusen.